Skip links

Ich sehe rot weil er mir nicht grün ist!… Die Farben der Kommunikation

Vor circa 18 Jahren traf ich beim Schützenfest zufällig einen jungen Mann, als ich zu Fuß auf dem Weg in die Stadt war. Er unterhielt sich mit einer Bekannten von mir und ich begrüßte beide. Er lehnte an einem Baum mit einem Zylinder leicht schräg auf dem Kopf, sagte “Hi!” und drückte mir sein Bier in die Hand… Ich hatte ihn vorher noch nie gesehen. Seitdem zählt er zu meinen engsten Freunden. Wir haben uns auf Anhieb verstanden, es hat einfach funktioniert… und das lag nicht am Bier.

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum Sie mit manchen Menschen sofort auf einer Welle surfen und mit anderen einfach nicht klar kommen? Jeder Mensch spürt, dass es nicht immer klappt oder eben doch. Aber woran liegt das und kann man sich eventuell ganz einfach auf Menschen einstellen, um besser mit ihnen zu kommunizieren?

Die Kommunikationswissenschaft bietet die Lehre von Farbmodellen an, die diese Phänomene erklären und zugänglich machen. Man kann lernen mit den verschiedensten Menschen umzugehen und klar zu kommen. Dabei gibt es unterschiedliche Farbmodelle, die alle Überschneidungen haben und sich ähneln oder aufeinander aufbauen. Fest steht, je ähnlicher sich Menschen sind, desto besser finden Sie auch den Zugang zueinander.

Ein paar Jahre nachdem Björn mir sein Bier in die Hand drückte, machten wir beide unabhängig voneinander aus beruflichen Gründen einen Kommunikations- und Persönlichkeitstest bei einem Forschungsinstitut für Kommunikation. Dabei wurde eine Persönlichkeitsanalyse erstellt, die unsere Gewohnheiten zu kommunizieren und unsere Werteinstellungen untersuchte. Wie gesagt, wir führten diese Untersuchung unabhängig voneinander beim gleichen Institut durch, ich sogar ein paar Monate später. Das Ergebnis: unsere Profile waren fast deckungsgleich!

Es lag also nicht unbedingt am Bier selbst, dass wir uns von Anfang an gut verstanden. Ohne viele Worte zu wechseln, waren wir uns sofort sympathisch und daraus entwickelte sich eine tolle Freundschaft. Der Versuch durch Modelle logisch nachvollziehen zu können, warum man sich mit manchen Menschen sofort gut versteht oder nicht, ist nichts weiter, als der Versuch mit seinem Bewusstsein (Leistungsstufe 1) nachzuvollziehen, was unterbewusst (Leistungsfähigkeit Stufe 1 x 2.000.000.000) schön längst passiert ist. Und doch kann es sehr nützlich sein, die Brücke zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein mit Hilfe von Modellen zu schlagen und greifbar, eben bewusst anwendbar zu machen.

Wie funktionieren diese Farbmodelle?
Die MED (minimal effektive Dosis) der Farblehre in der Kommunikation liegt für mich im Grundmodell der drei Farben Rot, Grün und Blau. Ich hatte das Glück dieses Modell schon im Studium kennen zu lernen. In weiteren Schulungen und in meinem Beruf konnte ich Verfeinerungen dieses Modells studieren und mich noch näher mit der Thematik beschäftigen. Die Kenntnis des drei Farben-Modells stellt für mich allerdings die 20% dar, die ich in 80% aller Fälle anwenden kann.
 
Warum also die Farben Rot, Grün und Blau? Alles beginnt mal wieder mit dem menschlichen Gehirn, was im Normalfall nicht so aussehen sollte…
In den verschiedenen Farbmodellen in der Kommunikation gibt es mehr, als nur diese drei Farben und die Wahl und Zuordnung der verwendeten Farbtypen hat verschiedene Hintergründe und Herleitungen. Bei dem Modell das ich vereinfacht darstelle, lässt sich die Auswahl der Farben auf die Evolution und die Ausbildung des menschlichen Gehirns zurückführen.
 
Die Überlebensfähigkeit unserer Vorfahren, wurde durch ihren Instinkt zu Handeln und schnell Entscheidungen treffen zu können bestimmt. Jäger und Sammler mussten sich schnell entscheiden wegzulaufen, wenn sie einem hungrigen Säbelzahntiger begegneten. Diese Entscheidungen und der Instinkt werden dem Klein-/Stammhirn zugeordnet –
(Überleben, Instinkt, Kämpfen, Reagieren) Rot.
Im Laufe der Evolution wurden Siedlungen gegründet, die Menschen wurden Sesshaft, Gemeinschaften wurden aufgebaut. Hier spielt das Mittelhirn eine Rolle. Das Gefühl für Zusammengehörigkeit, Familie und Freundschaft wird mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht.
Nach dem die Zeiten der Jäger und Sammler vorbei und das Überleben, Gemeinschaften, Siedlungen und Zivilisationen gesichert waren, entstanden Berufe und Menschen entwickelten immer mehr Fähigkeiten. Die
Intelligenz nahm Ihren Lauf… Hier kommt das Großhirn zum Einsatz – die Farbe Blau.
Die Farbtypen
Der rote Typ:
Dieser Typ zeichnet sich heute durch seine Dominanz aus. Er trifft gerne Entscheidungen, setzt klare Ziele, ist ehrgeizig und beherrscht gerne. Sie sagen deutlich was sie wollen und nehmen dabei nicht immer Rücksicht auf
andere. Man kann ihnen aber auch direkt sagen, was man will und was Sache ist, so lange man ihre Autorität dabei nicht in Frage stellt.
 
Der grüne Typ:
Sicherheit spielt hier eine große Rolle. Der grüne Typ sucht sie im Beruf und in seinem Privatleben. Er ist oft ein guter Freund, auf den man sich verlassen kann und legt viel Wert auf Familie und Harmonie. Grüne nehmen Rücksicht, funktionieren perfekt im Team und man kann ihnen vertrauen.
 
Der blaue Typ:
Hier steht die Gewissenhaftigkeit im Vordergrund. Der pure Analytiker, der detailorientiert arbeitet. Probleme werden genau analysiert, Interesse an Kontakten zu anderen steht eher im Hintergrund. Sie sind hervorragende Strategen. Sie wirken oft distanziert und analysieren auch die Beziehungen zu anderen Menschen. Wenn Freundschaften eingegangen werden, können diese dann aber auch ein Leben lang halten. Von dem was sie tun, wissen sie fast alles. Spontanität liegt ihnen fern.
 
Um das Vorweg zu nehmen, jeder Mensch ist nicht nur einem Farbtypen zuzuordnen. Es geht eher um Tendenzen hin zu rot, grün oder blau. In der Realität sind alle Farben bei einem Menschen vertreten, allerdings sticht die ein oder andere Farbe stärker hervor. Jeder Mensch hat seine eigenen Stärken und Eigenschaften. Was die Farbtypen angeht gibt es kein besser oder schlechter. Jeder Farbtyp hat seine Stärken und Schwächen und seine Berechtigung.
 
Welcher Typ sind Sie?
Sie können relativ einfach Tendenzen bei sich selbst feststellen. Lesen Sie sich die drei Typen noch einmal durch und notieren Sie sich Ihren tendenziellen Eindruck zu den einzelnen Farben im Bezug auf Sie selbst. Bitten Sie eine vertraute Person das Gleiche für Sie zu machen und gleichen Sie die Ergebnisse ab. Es ist wichtig auch die Fremdwahrnehmung mit einzubeziehen. 
 
Warum schreibe ich diesen Artikel hier eigentlich? … Ich finde es sehr vorteilhaft seine Wahrnehmung gegenüber sich selbst und anderen Menschen zu schärfen. Zu wissen, welche Typ-Tendenzen man selbst hat und schnell zu erkennen welche dem Gegenüber entsprechen, kann einiges leichter machen. Ähnliche Typen kommunizieren besser miteinander. Seine eigenen Stärken zu kennen, bedeutet diese ausbauen zu können. Kennt man seine Schwächen, kann man an diesen arbeiten. Wenn man weiß, wie man auf sein Gegenüber wirkt, gibt einem das die Macht die Kommunikation zu lenken. Wenn man sich dann noch auf den Typ seines Gegenübers einstellen kann, dann hat das sehr viele Vorteile, gerade in Verhandlungen. Die Fähigkeit sich auf sein Gegenüber einzustellen, auf seiner “Wellenlänge” mit ihm/ihr zu kommunizieren nennt sich Rapport. Dies ist wohl die Königsdisziplin der Kommunikation. Einige Menschen können das ganz natürlich. Andere müssen es lernen. Und genau dabei hilft mir dieses Farbmodell. Wenn ich jemanden zum ersten Mal treffe, dann versuche ich in wenigen Augenblicken einen Grund-Farbtypen zu erkennen und kann mich dann, wenn ich will darauf einstellen. Das bedeutet aber NICHT, dass ich mich verstelle!
 
Nachdem ich dieses Grundmodell im Studium kennengelernt hatte, konnte ich mich auch beruflich mit dem Thema tiefer beschäftigen. Wie schon gesagt gibt es weitere Farbtypen und Unterteilungen. Ich hatte das Glück mehrere Coachings bei Ralf Zunker besuchen zu können. Ralf war (er ist mittlerweile leider verstorben) ein wahrer Meister der Kommunikation und ein toller Lehrer. Wenn ich mich auf Verhandlungen vorbereite, benutze ich dafür gerne sein Buch “Der mit dem Wort Tanzt“. Hier finde ich wichtige Tipps und Informationen zu verschiedenen Kommunikationssituationen. Ralf erklärt in diesem Buch die Grundlagen der erfolgreichen Kommunikation und geht auch vertiefend auf weitere Farbtypen ein. Ich kann das Buch nur empfehlen, wenn einen das Thema Kommunikation interessiert.
 
 
Die Kommunikation zu beherrschen, kann sehr machtvoll sein…