Skip links

Die Macht der Emotionen

Ich finde es immer wieder erstaunlich, an was für Liedtexte ich mich erinnern kann, obwohl ich manche Songs seit Jahren nicht gehört habe. Letztens saß ich im Auto, es lief ein Song aus den 90ern (ja, ich weiß…) und ich konnte erschreckenderweise den Text sicher mitsingen. Wenn ich jetzt aber versuche mich an Gedichte oder andere Themen, die ich in den 90ern in der Schule lernen musste zu erinnern, bin ich da wesentlich weniger sicher. Um ehrlich zu sein: Ich habe keinen Plan.

Woran liegt es, dass mir sofort Liedtexte einfallen, wenn ich alte Songs höre aber nach sieben Jahren Schul-Französisch in einem Gespräch mit einem Franzosen ziemlich schlecht aussehe, weil mir die Vokabeln nicht einfallen? Warum fallen mir heute noch Werbe-Slogans, die 10 Jahre alt sind ein, obwohl es die Produkte schon lange nicht mehr gibt? Und wieso erinnere ich mich sofort an Urlaube, wenn ich einen bestimmten Duft rieche? Weil ich Emotionen dabei empfinde!

Betrachtet man das menschliche Gehirn, so stößt man auf sehr interessante Fakten. So geht es zumindest mir. Bevor ein Kind in die Schule geht, lernt es mindestens eine Sprache zu sprechen und zu verstehen, obwohl es in den meisten Fällen noch nicht lesen und schreiben kann. Wie also lernt es dann Vokabeln und die Grammatik? Kein Vokabelheft, kein Grammatikbuch, keine Karteikärtchen… Die Sprache beherrscht es trotzdem ziemlich gut.

Das Bewusstsein

 

Die moderne Wissenschaft geht davon aus, dass es verschiedene Bewusstseinsebenen beim Menschen gibt. Sie lassen sich mindestens in das „Bewusstsein“ und das „Unterbewusstsein“ aufteilen. Vergleicht man die Leistungsfähigkeit dieser verschiedenen Ebenen, bekommt man ungefähr dieses Ergebnis:
Bewusstsein: Leistungsfähigkeit Stufe 1
Unterbewusstsein: Leistungsfähigkeit Stufe 1 x 200.000.000

Sieht nach einem ziemlich großen Unterschied aus! Jetzt raten Sie mal womit der Mensch lernt zu lernen… Richtig, nicht mit dem Unterbewusstsein. 

Ein Kind sieht die Welt anfangs unbefangen, unvoreingenommen und lernt aus seiner Umgebung – auch Sprachen. Dies geschieht aber nicht immer bewusst, sondern oft unterbewusst. Das Kind weiß ja anfangs nicht, dass es eine Fremdsprache lernt – es passt sich an, auch der Sprache! Dann werden Kinder eingeschult und lernen, wie man bewusst lernt. Wort für Wort aufschreiben, wiederholen und so weiter… Es verlernt also, unbewusst zu lernen, von 200 Mio. auf 1 zurück – schade!

Welche Methoden gibt es zu Lernen und wie speichert unser Gehirn Informationen ab?

Bewusst: man lernt Konstrukte (Jahre)

Wiederholung: Autosuggestion und Visualisierung, mechanisch (Wochen)

Emotionen: z.B. NLP (Neuro- Linguistisches-Programmieren bedeutet durch Sprache bei seinem Gegenüber Emotionen zu erzeugen und zu lenken, um Programme und Verbindungen zu schaffen!) – Chemie (Tage oder weniger)

Je mehr Emotionen hervorgerufen werden, desto weniger Wiederholungen werden benötigt, um Dinge abzuspeichern. Durch Emotionen werden unterbewusst chemische Abläufe im Hirn angestoßen, wodurch Synapsen geknüpft werden und Programme im Unterbewusstsein entstehen – Informationen werden abgespeichert.


Alle Lernmethoden haben ihre Berechtigung. Sicherlich können auch Kombinationen dieser 
Möglichkeiten durchaus sinnvoll beim Lernen sein und es ermöglichen Dinge schneller dauerhaft zu erlernen, als man es für möglich gehalten hat. Unser Gehirn speichert Umstände sehr viel besser, wenn sie:
un-logisch
• witzig
• traurig
• schockierend
• gefühlvoll

also emotional ansprechend sind. 

Musik löst Emotionen aus, deshalb bleiben auch Lied-Texte lange im Gedächtnis, allerdings fällt es einem leichter sich an diese zu erinnern, wenn auch die Musik läuft. Gute Werbungen spielen auf Emotionen an, um Produkte mit diesen zu verbinden und Verknüpfungen in den Köpfen der Kunden zu verankern. Studien haben ergeben, dass beim Betrachten von Apple-Produkten eine Hirnregion angesprochen wird, die sonst nur aktiviert wird wenn man bekannte Menschen sieht, die man positiv in Erinnerung hat, wie Freunde und Familienmitglieder. Die Macht der Emotionen! 

Der Dokumentarfilm “What the blee do we know” zeigt sehr anschaulich, wie unser Gehirn funktioniert.

Eine kleine Geschichte

Das Lernen mit Emotionen kann man sich zu Nutze machen, ganz im Sinne der Minimal Effektiven Dosis. Es ist ein anderes Lernen, anfangs ungewöhnlich, aber durchaus effizient und zeitsparend. 

Ein Beispiel: Lesen Sie sich die folgende abstrakte Geschichte durch und versuchen Sie diese danach wieder zu geben.

“Mit einem Döner in der Hand läuft Francois vor einem wütenden Stier davon. Allerdings wird er bald von einem Elch gestoppt, der auf dem Weg nach Oslo noch auf eine Portion Sauerkraut und Brezeln Halt machte. Francois und der Elch entscheiden sich noch einen Saunagang zu machen, für den sie mit Zloty bezahlten und dann nicht mehr genug Geld für den Taxifahrer hatten, der auf der falschen Seite in seinem Taxi saß.”


So schnell kann man sich die 9 flächenmäßig größten europäischen Länder merken: Döner (Türkei), Francois (Frankreich), Stier (Spanien), Elch (Schweden), Oslo (Norwegen), Sauerkraut mit Brezeln (Deutschland), Saunagang (Finnland), Zloty (Polen), Taxifahrer auf der falschen Seite (GB).

Ich bin mir bewusst, dass ich hier Clichés verwende, aber es funktioniert